Führende Projektmanagement Standards – Teil 1

Vergleich der Projektmanagement-Zertifizierungen für klassische
Projektmanagementmethoden: GPM/IPMA, PMI, APM/Prince 2

Projektmanagement ist in Behörden, Unternehmen und Organisationen längst eine gängige Arbeitsform geworden. Projektmitarbeiter und -leiter mit unterschiedlichster Erfahrung und Qualifizierung stellen welt- und bundesweit ihr Methodenwissen in den Dienst der Zielerreichung. Letztlich entscheidet der Erfolg. Neuerdings jedoch rückt das Berufsbild des Projektmanagers stärker in den Fokus kritischer Betrachtung: Was genau zeichnet professionelles Projektpersonal eigentlich aus? Wie lässt sich feststellen, ob der Projektmanager tatsächlich über profundes Wissen verfügt?

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Was zunächst nur nach einer neuen Einkommensquelle für die Fachverbände aussah, gewinnt für Unternehmen und Projektmanager immer stärker an Bedeutung:
Die Möglichkeit, die individuelle Projektmanager-Kompetenz durch eine unabhängige Stelle testen und zertifizieren zu lassen. Vorteile lassen sich sowohl für die Unternehmen und Projektauftraggeber als auch für die Projektmanager selbst erkennen: So können die Projektauftraggeber sicher sein, einen Fachmann mit fundiertem Methodenwissen unter Vertrag genommen zu haben. Bessere Projektergebnisse und effizientere Projektprozesse sind zu erwarten. Das Unternehmen, dem das Projektpersonal angehört, weiß aufgrund einer Zertifizierung um die Qualifikation seiner Mitarbeiter und kann so Qualitätsstandards setzen und dokumentieren. Dies bringt nicht nur einen Imagegewinn sowie deutliche Vorteile gegenüber den Mitbewerbern. Auch intern ermöglicht es eine gezieltere Personalentwicklung.

Drei Fachverbände bieten derzeit in Deutschland die Möglichkeit einer Zertifizierung an:

  • Die GPM (Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V.), die den deutschen Teil der weltweit agierenden IPMA (International Project Management Association) darstellt,
  • das amerikanische PMI (Project Management Institute) und
  • die APM Group (Association for Project Management Group).

Anerkannte Trainer und Institute qualifizieren die Projektmanager zunächst nach der jeweiligen Methodik und bereiten sie auf die entsprechenden Prüfungen vor. Allerdings unterscheiden sich die Zertifizierungsverfahren der einzelnen Verbände sowohl in der Methodik als auch in den Zertifizierungsstufen und in den Kosten. Auch differiert ihr Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad im In- und Ausland. Es ist daher dringend anzuraten, sich zuvor ausführlich mit den verschiedenen Verfahren und deren jeweiligen Vor- und Nachteilen auseinanderzusetzen.

Logo GPM schmaler

Das von der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement angebotene Zertifikat ist der bekannteste Standard in Deutschland. Es umfasst insgesamt vier verschiedene Zertifizierungsstufen, vom Mitarbeiter im Projektbüro –Level D– bis zum Certified Project Director mit fünf Jahren Erfahrung im Mehrprojekt- und Programm-Management –Level A. Der von der GPM angewandte Prozessmanagement-Standard (ICB – IPMA Competence Baseline) beschreibt nicht nur Projektmanagementswissensgebiete, sondern stellt auch eine allgemeine Struktur der Projektmanagement-Kompetenz zur Verfügung. So gewährleistet das Zertifikat der GPM eine umfassende Auseinandersetzung mit allen Themengebieten des Projektmanagements und rückt dabei die Qualifizierung der Person in den Fokus. Unternehmensintern kann der Personaleinsatz und die Personalentwicklung gut an dem vierstufigen Zertifizierungssystem festgemacht werden. Nachteilig an dem Zertifikat ist der hohe Zeitaufwand und die im Verhältnis zu den anderen Verfahren höheren Gebühren. Eine Zertifizierung ist nicht obligatorisch.

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Das Project Management Institute ist der weltweit führende Fachverband, woraus der hohe internationale Bekanntheitsgrad des Zertifikates resultiert. Die PMI zertifiziert nach der Prozessmanagement-Methodik des PMBOK ® Guide. Es wird in drei Stufen zertifiziert: Einsteiger, Studenten und Projektmitarbeiter mit Hochschulstudium und ersten Projektmanagementerfahrungen sowie grundlegenden Kenntnissen in der Terminologie und in den PM-Prozessen können den Abschluss Certificated Associate in Project Management (CAPM) erhalten. Projektmanager mit Berufserfahrung und fundierten Kenntnissen in der Projektleitung qualifizieren sich für das Zertifikat des Project Management Professional (PMP). Projektmanager mit Erfahrungen im Multiprojektmanagement erhalten schließlich das Zertifikat des Program Management Professional (PgMP). Der Lehrgang wird flexibel gestaltet und verfügt über ein prozesshaftes Verständnis des Projektmanagements, was eindeutig als Vorteil gewertet werden kann. Leider wird die Zertifizierung nur in Testingcentern im Multiple Choice Verfahren durchgeführt. Die Zertifizierung steht bei dem Verfahren der PMI im Vordergrund.

Logo APMGroup

Die schließlich von der Association for Project Management Group zertifizierte Projektmanagement-Methode Prince 2 findet in mehr als 50 Ländern weltweit Anwendung. Die Rechte liegen bei der AXELOS Ltd., vormals Office of Government Commerce (OGC). Prince 2 steht für Projects in Controlled Environments und wird vornehmlich in Großbritannien und in den Niederlanden eingesetzt. Die APM Group bietet zwei Abschlüsse an: Grundlagen (Foundation) für Einsteiger mit ersten Erfahrungen und ersten Kenntnissen in der Terminologie und den Prozessen des Projektmanagements. Praktiker (Practitioner) treffen Entscheidungen in Projekten und berichten dem Steuerkreis. Der Vorbereitungsaufwand für das Prince 2- Zertifikat ist recht gering, auch ist die Organisation des Zertifizierungsverfahrens einfach gehalten. Ein weiterer Vorteil ist die Trennung von Kurs und Prüfung. Nachteilig ist das wie bei der PMI ebenfalls nur eindimensional gestaltete Prüfungsverfahren.

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